Gedichte


Gelegenheit 1

Orte, Plätze, Straßen

Ziehen sich zusammen.

Menschen sammeln sich

Zu einer großen vertanen Gelegenheit.


Tausend kleine Punkte

Auf einer engen Bahn,

Vor einem späten Blick zurück,

Aufgereiht ins Nichts.


Was alles ich war,

Was alles ich tat,

Und sah.


Und um meine Enge

Lauter weite Dichte.




 

Gelegenheit 2

Das Gefühl,

Ich hätte an alle Enden der Welt

Ein Stückchen meiner Seele verkauft,

Ich hätte meine Seele verkauft

Für Bilder.


Es hängt so viel von mir,

So viel an Plätzen, Orten, Leuten,

Die ich nie mehr sehe.

Lose Fetzen, zerrissen und verkauft.


Auf Reisen sind unzählige

Einfach dort geblieben,

Wo mein Herz sich wohl gefühlt,

Und Mädchen haben noch

Ein Stück von mir,

Doch hab ich nichts von ihnen.


Und mir verbleibt ein kleiner Rest,

Der niemals reicht,

All das zu verstehen.



Das Scheusal

Ein Scheusal bläst Trübsal!

Im Rinnsal spielt sein Schicksal!


Die Krone der Schöpfung wurd aus Lehm gebaut.

Und unter Kronen ruhte stets ein Monarchenhaupt.

Wer ist der König, dessen Krone der Mensch sein soll?

Und was ist wichtiger, die Krone oder der sie tragen soll?

Dann ist die Schöpfung wohl in Wahrheit die Majestät.

Sie ist die Welt, die sich unter uns stets weiterdreht.

Das Ende der Evolution heißt Demokratie,

Sie schwamm träge im Fahrwasser der Ökonomie.


Ein Scheusal im Rinnsal

Bläst Trübsal. So viel Mühsal!


Was sich entwickelt, muss zuvor ja stets verworren sein.

Die Entwicklung geht zwar weiter, und ein Ziel muss sein.

Wir wickeln dies ab, jenes ab, wir machen alles klar.

Doch wir verstricken uns im Leben, die Moral wird rar.

Sitzen Falsch und Richtig wirklich noch in unserem Haupt?

Oder hat der Machtinstinkt den Weg zum Ziel verbaut?

Eine Krone ist zwar hübsch, doch nur ein Machtsymbol

Und unter ihr das Wesen trägt den Kopf ganz hoch und hohl.


Wenig Habsal, ganz viel Redsal!

Alles Flicksal, aus altem Sisal!


Er ist ein Scheusal, das den Bruder mit 'nem Stein erschlägt,

Und nur ein Rinnsal, das von Frieden spricht und nichts bewegt.

Da bläst er Trübsal, weil das Ideal sich wieder verschiebt.

Nach soviel Mühsal, sieht er sich, wie er erschöpft da liegt.

Ein Schlag vom Schicksal wirft ihn stets zurück auf‘s kleine Ich.

Und aus dem Wirrsal kommt er nur heraus gelegentlich.

Zwänge und Drangsal zeigen ihm, was alles nicht geht,

Sodass als Labsal ihm die Krone sicher gar nicht steht.



Sommer
Als ich um die Ecke bog

Sah ich, dass es Sommer wurde.

Das Weiß des Frühlings ließ ich hinter mir.

Die Schnecke, die an mir vorüberzog,

Streckte ihre Fühler in das Leben.


Die Hektik wich von meinem Körper

Und mich überflog eine neue Angst vor dem Ende

Gerade als die Jugend vorüber war.

Ruhe stellte sich ein, wo Arbeit beginnen sollte.


Ich entkam dem Sommer.

Mein Haar ergraute.

Dem Werk der Menschen hab ich nicht gedient.

Die Schnecke zog sich zurück.

Und ich stieg ein ins Leben.




Glühwürmchen

Bei der ersten Sternschnuppe

Hatte ich mich noch gefreut. 

Dann habe ich gehofft noch eine zu sehen.

Sie kam und erlosch:

Ich habe mir deine Liebe gewünscht.  

Bei der dritten habe ich gehofft,

Ich könnte bald einmal bei dir sein. 

Doch dann habe ich auf eine vierte gewartet,

Die mir die Erfüllung bestätigen sollte.  

   Noch kam keine.

   Noch kam keine.

   Noch kam keine.

Oder ich sah sie nicht...


Ich löschte alle Lichtquellen

Und als ich wieder aufblickte,

Zogen Satelliten ihre Bahn.

Keine weitere Sternschnuppe.

Der Himmel zog sich zu. 

Hier und da noch Lichtflecken,

Starr, offene Stellen im Wolkengrau, 

Die ich anstarrte.

Doch kein Zeichen.

Gleich würde ich aufgeben!

Nur am Boden,

Ein winziger vorüberziehender Lichtpunkt

Zog an meinem Auge.  Sollte auch er verglühen?  


Besser als ein schnell erkaltendes Sternenstück:

Ich sah Leben, leuchtendes Leben.


Trampolin

Der letzte Luftsprung

Liegt lange zurück.

Wie war das noch gleich?


Herantasten, bis man

Vor Spannung zerplatzen will,

Ertasten, erahnen,

Was da wohl kommt.


Es wird ein Rauschen kommen,

Kurz, aber mit Nachdruck,

Mit Erinnerung,

Lebhaft noch Wochen.


Was den Luftsprung überlebt

Nährt den Wunsch

Nach Wiederholung,

Der nie wieder so erfüllt werden wird,

Wie beim ersten Mal.


Das liegt lange zurück.

Wie war das noch gleich?


Angst

Durch das nasse, dicke Flechtwerk
Fächern lauter sich an leisen

Zitterhaaren fremde Sprecher.


Beißen die dir in die Seiten,

Wo es kitzelt,

In den Nacken,

Dass du aufzuckst,

In die Knie?


Dann, die Angst schiebt Klebepunkte

Aus dem Hirn in Atemlöcher,

Poltert durch den Magen,

Rieselt in die Beine.

Und eins hebt sich.

Und es kann nicht.

Zerrt weit von dir.

Nach du weißt nicht.

Nur noch fliehen.


Deine Stimme

Eingekleistert.

Deine Füße

Festgewachsen.

Zäh dein Willen.


- Und im Nebel

Kommt was näher.


Annonce

Wer nimmt mich in Verwahrung,

Denn Wahrheit find ich nicht.

Wer bewahrt mich vor Gedanken,

Die mich aus dem Leben lösen,

Und macht statt dessen meine Träume wahr?