Gedichte


Gelegenheit 1

Orte, Plätze, Straßen

Ziehen sich zusammen

Menschen sammeln sich

Zu einer großen vertanen Gelegenheit


Tausend kleine Punkte

Auf einer engen Bahn

Vor einem späten Blick zurück

Aufgereiht ins Nichts


Was alles ich war

Was alles ich tat

Und sah


Und um meine Enge

Lauter weite Dichte



Gelegenheit 2

das Gefühl,

Ich hätte an alle Enden der Welt

Ein Stückchen meiner Seele verkauft,

Ich hätte meine Seele verkauft

Für Bilder.


Es hängt so viel von mir,

So viel an Plätzen, Orten, Leuten,

Die ich nie mehr sehe.

Lose Fetzen, zerrissen und verkauft.


Auf Reisen sind unzählige

Einfach dort geblieben,

Wo mein Herz sich wohl gefühlt,

Und Mädchen haben noch

Ein Stück von mir,

Doch hab ich nichts von ihnen.


Und mir verbleibt ein kleiner Rest,

Der niemals reicht,

All das zu verstehen.



Angst

Durch das nasse, dicke Flechtwerk

Fächern lauter sich an leisen

Zitterhaaren fremde Sprecher.


Beißen die dir in die Seiten,

Wo es kitzelt.

In den Nacken,

Dass du aufzuckst.

In die Knie -


Dann, die Angst schiebt Klebepunkte

Aus dem Hirn in Atemlöcher,

poltert durch den Magen,

rieselt in die Beine.

Und eins hebt sich.

Und es kann nicht.

Zerrt weit von dir.

Nach du weißt nicht.

Nur noch fliehen.


Deine Stimme

Eingekleistert.

Deine Füße

Festgewachsen.

Zäh dein Willen.


- Und im Nebel

Kommt was näher.


Das Scheusal

Ein Scheusal bläst Trübsal!

Im Rinnsal spielt sein Schicksal!


Die Krone der Schöpfung wurd aus Lehm gebaut

Und unter Kronen ruhte stets ein Monarchenhaupt

Wer ist der König, dessen Krone der Mensch sein soll?

Und was ist wichtiger, die Krone oder der sie tragen soll?

Dann ist die Schöpfung wohl in Wahrheit eine Majestät.

Sie ist die Welt, die sich unter uns stets weiterdreht.

Das Ende der Evolution heißt Demokratie,

Sie schwamm träge im Fahrwasser der Ökonomie.


Ein Scheusal im Rinnsal

Bläst Trübsal. So viel Mühsal!


Was sich entwickelt, muss zuvor ja stets verworren sein.

Die Entwicklung geht zwar weiter, und ein Ziel muss sein.

Wir wickeln dies ab, jenes ab, wir machen alles klar

Doch wir verstricken uns im Leben, die Moral wird rar.

Sitzen Falsch und Richtig wirklich noch in unserem Haupt

Oder hat der Machtinstinkt den Weg zum guten Ziel verbaut?

Eine Krone ist zwar hübsch, doch nur ein Machtsymbol

Und unter ihr das Wesen trägt den Kopf ganz hoch und hohl.


Wenig Habsal, ganz viel Redsal!

Alles Flicksal, aus altem Sisal!


Er ist ein Scheusal, das den Bruder mit nem Stein erschlägt,

Und nur ein Rinnsal, das von Frieden spricht und nichts bewegt,

Da bläst er Trübsal, weil das Ideal sich wieder verschiebt,

Nach soviel Mühsal, sieht er sich, wie er erschöpft da liegt.

Ein Schlag vom Schicksal wirft ihn stets zurück auf‘s kleine Ich.

Und aus dem Wirrsal kommt er nur heraus gelegentlich.

Zwänge und Drangsal zeigen ihm, was alles nicht geht,

Sodass als Labsal ihm die Krone sicher gar nicht steht.