Lyrik aus stillen Ulmen
   


Die folgenden Gedichte stammen von Hartmut Röwekamp. Es handelt sich bei ihm um eine Romanfigur. Die Romanfigur eines Romans, der bisher noch nie veröffentlicht wurde. Leider ist Hartmut Röwekamp in einer Gesellschaft groß geworden, die recht raue Traditionen im Umgang mit Katzen pflegt. Daraus erklären sich die etwas gruseligen Verse in einigen seiner lyrischen Ergüsse. Nehmt es ihm bitte nicht übel. Er ist auch nur, wie wir, das Ergebnis seines sozialen Umfelds. Und trotzdem spricht doch manchmal ein warmer poetischer Unterton aus seinen Zeilen, weshalb er hier schon vorab veröffentlichen durfte...



(lsu1).

die septimen folgen bald,

schattig, auch, im frühen winter,

auf's alte laub noch sinnt er,

doch sonne fehlt in diesem wald,

wer einsam ist, dem wird schnell kalt.


(lsu2).

kein berg umstellt den ort,

der wald lässt uns erschauern,

mensch, bleib in deinen mauern,

des wörtners gült'ges wort:

bleib, bleib! geh niemals fort!

(lsu3).

ein katz, ein katz, ein katzentier,

so weich, doch rau der ulmen seele,

du holz und bein der kettenzier

in meinem dorf, in mei'm revier,

weh uns, wenn es uns fehle.

(lsu4).

sexternia, was bringt

dein zeichen in dem wind?

lasst's katzenfell uns hissen

die reinigung nicht missen,

die zeit, die zeit, sie rinnt.

(lsu5).

schreiten wollen alle bald,

schreiten, schreiten an den wald,

getier scheucht auf, mein pfeil dringt ein,

siebenfach getroffen sein,

hört, welch weh durchs weidwerk schallt!

(lsu6).

kinder, kinder, lasst uns jagen,

lang tat's katzentier uns plagen,

dosen sammelt, malt und bindet,

jeder sich ein kätzchen findet,

schaut wie's qualvoll nun entschwindet.

(lsu7).

wenn es stürmt, wenn wir erschauern,

wenn sich neigen tür und mauern,

trotzen unbill der natur,

sei es nur, sei es nur,  

dass zwei herzen leise trauern.

(lsu8).

sturmwind braust,

windsturm saust,

hocke fest im erdenreich,

werde ängstlich, werde bleich,

haare sind zerzaust.

(lsu9).

ach was saust der blanke nieder,

spatenstahl auf katzenglieder,

gelbe augen

in blutlaugen,

katz und mensch heult schauerlieder.




(lsu10).

bitter in der not,

wangen bleich statt rot,

kalt im wald gelegen,

konnten kaum sich regen,

kindern drohte tod.

(lsu11).

zweifel trage ich in mir,

stürme, nicht nur vor der tür,

liebe sucht sich eigne wege,

wenn ich auch zu dir mich lege,

ist mein herz bei ihr, bei ihr.

(lsu12).

ist nicht jede religion

ausgedachter spott und hohn?

dass die großen auf die kleinen

einfluss haben, und sie meinen

letztlich sich, nicht gottes sohn?


ist nicht letztlich jede welt,

die für sich dahingestellt,

die so immer nur für sich

weiterläuft und sich nicht bricht,

in einem spiegel, arg verfehlt?


sind nicht senden und empfangen,

stets sich um den alltag bangen,

wie ein kreisel, wie die welt,

die sich dreht und nicht anhält?

wie soll man zum ziel gelangen?