Von Bäumen und Gärten

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23.10.2020, 21:00

Im Treibhaus

Gefleckte Moose bunte Flechten schwanken um hoher Palmen fächerstarre Fahnen und zwischen glatten Taxusstauden ranken sich bleich und lüstern zitternde Lianen. Gleich seltnen Faltern schaukeln Orchideen und...   mehr


16.10.2020, 21:49

Von Äpfeln und Birnen

Schüttel mich, schüttel mich! Wir Äpfel sind alle miteinander reif. Rüttel dich und schüttel dich! Wirf Gold und Silber über mich! Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Steingrund Unter den Händen. Hier...   mehr


09.10.2020, 21:51

Waldeinsamkeit

Ach, in Gottes freier Luft Draußen auf Berg und Halde Noch besser tief, tief im Walde, Nicht in Dom und Fürstengruft, Ach, in des Waldes freier Luft. Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt, Aber ein Wald der...   mehr


02.10.2020, 21:51

Ein lasches Protestlied

Ein Männlein steht ganz lasch im Wald und hält mit sich Gericht In Düsseldorf war‘s ihm zu kalt, fürn Braunkohleverzicht. Es denkt: „Ein Baum ist nicht viel wert und deshalb auch kein Wald. Was unter meiner...   mehr


25.09.2020, 21:52

Gar Bar Lit

Gar. bar. lit. wit. walt. kalt. sne. we. tůt. glůt. si. bi. mir. gras. was. e. kle. spranc. blanc. blůt. gůt. schein. ein. hag. pflag. ir. schoene. doene. klungen. iungen. lüte. trüte. inne. minne....   mehr


18.09.2020, 21:52

Seikilos Lied

Du knorrige Eiche, Du dich windendes Blatt, Du Blümchen auf der Mauer, Hast du es nicht satt? Du Kräutlein, unscheinbar, Du rühr mich nicht an, Du welkende Aster, Wer hindert dich dran? Bist du eine...   mehr


11.09.2020, 20:00

Abschied vom Garten

Liegt vor dir noch dein ganzes Leben, Hast du noch so viel zu erleben, Vielleicht wird‘s dich in die Ferne ziehen, In die Ferne wo dann tausend Blumen blühen. Ich lass dich ziehn, such dein Glück! Sollst...   mehr


04.09.2020, 21:00

Gras oder Moos

Moos oder Gras bedeckt den ganzen Dreck. Gras oder Moos – alle Fehler sind weg. Gras oder Moos – mein Leben ist famos. Moos oder Gras – ich tanz euch was! Moos oder Gras, Gras oder Moos, Leben macht süchtig,...   mehr


28.08.2020, 21:00

Meine Rose

Glaubst du, eine Rose blüht im März? Im März? Komm wir schreiten ans Werk, Die Rose ist ein Werk – ein Werk der Liebe. Meine Rose blüht im März. Deine Rose blüht im März. Meine Rose ist deine. Wir sind zu...   mehr


21.08.2020, 21:00

Ein Wald

Auf dem 50-Pfennig-Stück hockt eine Frau Zwischen all den Trümmern aus Stein, Hält einen Eichenspross in ihrer Hand. Hoffnungsvoll pflanzt sie ihn ein. Mitten in Berlin ragt ein mächtiger Stamm Weit...   mehr


14.08.2020, 21:00

Löwenzahn

Ich gab dem Gartenbeet gerad den letzten Schliff. Ich dachte, es ist sauber als ich plötzlich begriff: Hier treiben fremde Blüten aus. Nun rette ich mich schnell zurück ins Haus. Ich hatte um den Garten einen...   mehr


07.08.2020, 21:00

Mein kleiner Garten

Kommst du in meinen Garten? Gleich hinter Harken und den Spaten Stehn die Stühle mit den bunten Kissen, Beugst du dich vor siehst du die Narzissen. Zwanzig Plastikblumentöpfchen Schmücken frei gebliebenen...   mehr





Originaltexte und Anmerkungen zu den Liedern

zu Lied 15

Wilhelm Müller (*1794+1827): Am Brunnen vor dem Tore. In: Wanderlieder. Die Winterreise. In 12 Liedern. 1823

Am Brunnen vor dem Thore

Da steht ein Lindenbaum:

Ich träumt’ in seinem Schatten

So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde

So manches liebe Wort;

Es zog in Freud und Leide

Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern

Vorbei in tiefer Nacht,

Da hab’ ich noch im Dunkel

Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,

Als riefen sie mir zu:

Komm her zu mir, Geselle,

Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen

Mir grad’ in’s Angesicht;

Der Hut flog mir vom Kopfe,

Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde

Entfernt von jenem Ort,

Und immer hör’ ich’s rauschen:

Du fändest Ruhe dort!



Fritz Reuter    (*1810+1874) : De Eikboom. 1860

Ik weit einen Eikboom, de steiht an de See;

De Noordstorm de bruust in sien Knäst;
Stolt reckt hei sien mächtige Kroon in de Höh;
So is dat al dusend Johr west.
Kein Minschenhand de hett em plant;
Hei reckt sik von Pommern bit Nedderland.

Ik weit einen Eikboom vull Knorrn un vull Knast,
Up den fött kein Biel nich un Äxt.
Sien Bork is so ruug, un sien Holt is so fast,
As wier hei mal bannt un behext.
Nix hett em daan, hei ward noch stahn,
Wenn wedder mal dusend von Johrn vergahn.

Un de König un siene Frau Königin
Un sien Dochter, de gahn an den Strand.
?Wat deit dat för 'n mächtigen Eikboom sien,
De sien Telgen reckt aever dat Land?
Wer hett em pleegt, wer hett em heegt,
Dat hei siene Bläder so lustig röögt??



Un as nu de König so Antwuurt begehrt,
Trett vör em en junge Gesell:
?Herr König, Ji hefft Ju jo süs nich drüm scheert,
Jug Frau nich un Juge Mamsell!
Kein vörnehm Lüüd, de hadden Tiet,
Tau seihn, ob den Boom ok sien Recht geschüht.

Un doch gräunt so lustig de Eikboom upstunns;
Wi Arbeitslüüd hewwen em wohrt;
De Eikboom, Herr König, de Eikboom is uns,
Uns plattdüütsche Spraak is 't un Oort.
Kein vörnehm Kunst hett s' uns verhunzt;
Fri wüssen s' tau Hööchten ahn Königsgunst.?

Rasch gifft em den König sien Dochter de Hand;
?Gott seg'n Di, Gesell, för dien Reed!
Wenn de Stormwind eins bruust dörch dat düütsche Land,
Denn weit ik ne sekere Steed:
Wer eigen Oort fri wünn un wohrt,
Bi den is in Noot ein tau 'n besten verwohrt.?


zu Lied 18 Seikilos- Stele (zwischen 117 und 200 angefertigt)

Ich bin ein Bild
in Stein; Seikilos stellte
mich hier auf,
in ewiger Erinnerung,
als zeitloses Symbol.


 

Solange du lebst, tritt auch in Erscheinung.
Traure über nichts
zu viel. Eine kurze Frist
bleibt zum Leben.
Das Ende bringt die
Zeit von selbst.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Seikilos-Stele (26.10.2020)


zu Lied 19  Konrad von Würzburg: Gar bar lit. In: Codex Manesse, 13. Jh.

Übersetzung von Anna Kathrin Bleuler in: Der Codex Manesse: Geschichte, Bilder, Lieder. CH Beck. 2018

Ganz kahl liegt

weit der kalte Wald.

Schnee tut weh.

Glut sei bei mir!

Gras war einst.

Klee entsprang hell.

Blütenpracht erstrahlte.

Ein Gebüsch umhegte sie.

Schöne Melodien erklangen

den jungen Leuten. Liebkosungen

verstärkten ihnen die Minne

Wunderbar abgesondert

befreite ungezügelte Körper

die Heide, die Weide von ihrem Kummer.

Da saßen froh, die

sich ihrem Begehren hingeben wollten

Geliebte Braut, sieh

mich an. Es

wird einem geholfen da,

wo du nun bist.

Dein heller Glanz

gibt Hochgestimmtheit

dem, dessen

Schmerz sehr stark ist.

Süße vertreibe das Trauern!

Bitteren Schmerz

mache ganz klein!

Kluge bewirke Schönes!

Vermehre den Lohn!

Lindere neue Betrübnis!

Verleih mir ein großes Gut!

Liebe Frau, mein Flehen gilt dir


Zu Lied 20

Das hat mit nordrheinwestfälischen Politikern zwar was zu tun, aber definitiv nicht mit Armin Laschet (*1961)


zu Lied 21 Theodor Fontane   (*1819+1898) : Wo Bismarck liegen soll, 1898

Wo Bismarck liegen soll.

(Geschrieben am 31. Juli 1898.)
Nicht in Dom oder Fürstengruft,

Er ruh’ in Gottes freier Luft

Draußen auf Berg und Halde,

Noch besser tief, tief im Walde;

Widukind lädt ihn zu sich ein:

„Ein Sachse war er, drum ist er mein,

Im Sachsenwald soll er begraben sein.“

 

Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt,

Aber der Sachsenwald, der hält,

Und kommen nach dreitausend Jahren

Fremde hier des Weges gefahren

Und sehen, geborgen vorm Licht der Sonnen,

Den Waldgrund in Epheu tief eingesponnen,

Und staunen der Schönheit und jauchzen froh,

So gebietet einer: „Lärmt nicht so! –

Hier unten liegt Bismarck irgendwo.“


zu Lied 22 Jacob    (*1785+1863)  und Wilhelm Grimm    (*1786+1859) : Nr. 21 Aschenputtel, in: Kinder- und Hausmärchen, 1812

[…]Als nun niemand mehr daheim war, ging Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter den Haselbaum und rief:

    "Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,
    wirf Gold und Silber über mich."

Da warf ihm der Vogel ein golden und silbern Kleid herunter und mit Seide und Silber ausgestickte Pantoffeln[…]

Jacob und Wilhelm Grimm: Nr. 24 Frau Holle, in: Kinder- und Hausmärchen, 1812

Darnach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Aepfel und rief ihm zu: „ach! schüttel mich! schüttel mich! wir Aepfel sind alle miteinander reif!“ Da schüttelt’ es den Baum, daß die Aepfel fielen, als regenten sie, solang bis keiner mehr oben war, darnach ging es wieder fort.


Friedrich Hölderlin   (*1770+1843) , Hälfte des Lebens, 1804

Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.



Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


Theodor Fontane: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, 1889

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

 

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.



Wilhelm Willms: Erde kleines Schaukelschiff 1979

Erde, kleines Schaukelschiff, nussschalengroß, treibt im dunklen Weltenraum, der so uferlos.

Erde, großes Menschenschiff, mussschalenklein, wer wird durch Gefahren groß unser Lotse sein?

Erde, gutes Mutterschiff, Arche fragenvoll, sag doch einer, wie und wann alles enden soll.

Erde, kleines Schaukelschiff, sieh wer zu dir steigt, frag ich, ob er weiter weiß und die Richtung zeigt.

Erde, kleines Schaukelschiff, nussschalengroß, treibt im dunklen Weltenraum, der so uferlos.


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Der Birnenschmaus, 1857

So komm, du lieber Sonnenschein,

Lass unsre Birnen gut gedeih'n!

Und wenn sie gelb geworden sind,

Dann komm und wehe, lieber Wind!

Komm, Wind, und schüttle jeden Ast

Und lad' uns alle samt zu Gast!

Dann eilen wir zum Haus hinaus

Und halten einen Birnenschmaus.


Volkstümlich: Dunkel war‘s, der Mond schien helle


Dunkel war's,der Mond schien helle,

schneebedeckt die grüne Flur,

als ein Auto blitzesschnelle

langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute

schweigend ins Gespräch vertieft,

als ein totgeschossner Hase

auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe

rückwärts einen Berg hinauf.

Droben zog ein alter Rabe

grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen,

und mit fürchterlichem Krach

spielen in des Grases Zweigen

zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,

die blau angestrichen war,

saß ein blondgelockter Jüngling

mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ne alte Schrulle,

die kaum siebzehn Jahr alt war,

in der Hand ne Butterstulle,

die mit Schmalz bestrichen war.


Oben auf dem Apfelbaume,

der sehr süße Birnen trug,

hing des Frühlings letzte Pflaume

und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße

wirbelte der Staub empor.

Und ein Junge bei der Hitze

mächtig an den Ohren fror.
Beide Hände in den Taschen

hielt er sich die Augen zu.

Denn er konnte nicht ertragen,

wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter

durch das blaue Kornfeld hin.

Endlich ging die Sonne unter

und der graue Tag erschien.

Holder Engel, süßer Bengel,

furchtbar liebes Trampeltier.

Du hast Augen wie Sardellen,

alle Ochsen gleichen Dir.



Volkstümlich: Spannenlanger Hansel, nudeldicke Dirn

Gehn wir in den Garten, schütteln wir die Birn'!
Schüttel ich die großen, schüttel ich die klein'
Wenn das Säcklein voll ist, gehn wir wieder heim.

Lauf doch nicht so schnelle, spannenlanger Hans!
Ich verlier die Birn' und die Schuh' noch ganz!
Trägst ja nur die kleinen, nudeldicke Dirn
Und ich schlepp den schweren Sack mit den großen Birn'.


Wolf, Ludwig und James: An de Eck steiht `n Jung, 1911

An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband
in de anner Hand ´n Bodderbrood mit Kees,
wenn he blots nich mit de Been in´n Tüddel kümmt
un dor liggt he ok all lang op de Nees
un he rasselt mit´n Dassel op´n Kantsteen
un he bitt sick ganz geheurig op de Tung,
as he opsteiht, seggt he: hett nich weeh doon,
ischa ´n Klacks för ´n Hamborger Jung

Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun,
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.

An de Eck steiht ´n Deern mit´n Eierkorf
in de anner Hand ´n groote Buddel Rum
Wenn se blots nich mit de Eier op dat Plaaster sleit
un dor seggt dat ok al lang "bum bum".
Un se smitt de Eiers un den Rum tosomen
un se seggt "so'n Eiergrog den hebb ik geern"
as se opsteiht, seggt se: "hett nich weeh doon,
ischa´n Klacks för´n Hamborger Deern

Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun,
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.